| Zum Thema “Fechten”  Wir sind ein Corps, und wir pflegen mit Stolz diese Tradition. Die Corps sind die ältesten der sogenasnnten “schlagenden Verbindungen”, sie haben immer das faire Fechten mit der scharfen Waffe gepflegt, und wir werden das auch in Zukunft nicht ändern - obwohl wir wissen, dass wir damit die Vorurteile gegen uns nähren. | |
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S e it G r ü n d u n g der ersten Universitäten Europas hatten alle Studenten das Recht, den Degen zu tragen, und das war bei den damaligen Verhältnissen oft lebenswichtig. Dieses Recht wurde zur Tradition, es galt auch noch im 18. Jahrhundert, als die ersten Corps entstanden. Wer mit dem Degen nicht umgehen konnte, galt als Niete, also wurde in den Corps auf gutes Fechten Wert gelegt; aber die Corps bekämpften auch von Anfang an den verwilderten Stil, der in der Studentenschaft damals oft herrschte. Sie wurden schnell zur regulierenden Kraft an den deutschen Universitäten, schafften den Gebrauch der tödlichen Stoßdegen ab, unterbanden das wilde Duellieren und führten stattdessen die Mensur ein: harmloser, fair, nach klaren Regeln. Im 19. Jahrhundert, besonders im wilhelminischen Kaiserreich, übernahmen nicht nur die Burschenschaften, sondern viele andere neugegründete Verbindungen das Mensurfechten und verbanden es mit den zeittypischen Klischees wie "Waffenehre", "das blanke Schwert in der Faust des deutschen Mannes" und ähnlichem national-romantischem Kitsch; es hat lange gedauert, die wirkliche Funktion der Mensur von diesem angepappten Wirrsinn wieder zu befreien.
“Warum fechtet ihr noch heute, und warum mit scharfen Waffen?” Es ist Sport, verlangt Kondition, Geschick, schnelle Reaktion und vor allem Mut. Denn es ist nicht irgendein Sport, sondern einer mit (kalkuliertem) Risiko. Er macht fit und hält uns Softies vom Hals. Unser Fechten dient der Selbsterziehung: Man lernt, sich unangenehmen Situationen zu stellen, Angst zu überwinden, cool einzustecken und auszuteilen. Ein kleiner Feigling steckt in jedem intelligenten Menschen, und den gilt es in der Mensur zu besiegen.
"Wenn Fechten als Tradition schon so wichtig ist, warum betreibt man dann nicht das viel elegantere Sportfechten ?" Dazu gehört zwar auch Geschick und Kondition, aber weder Mut noch Selbstüberwindung. Es ist kein Mittel zur Selbsterziehung.
"Es gibt doch bessere Mutproben: Free-climbing, Gleitfliegen, Fallschirmspringen !" Richtig! Aber das sind modische Hobbies, die nicht aus der Tradition studentischen Lebens stammen - sie dienen oft nur dem Nervenkitzel. Wir wollen nicht, dass jemand als Mutprobe Leben und Gesundheit riskiert, denn er will ja noch zu Lebzeiten erfahren, ob er ein Feigling ist oder nicht.
"Ihr fechtet doch nur, damit ihr euch mit eueren Schmissen als Akademiker ausweisen könnt!" Die schönsten Schmisse sind immer die auf der Gegenseite, denn "Geben ist seliger denn nehmen." (Apostelgeschichte 20,35). - Aber, Scherz beiseite: Der Schmiß als "Schmucknarbe des Akademikers" war typisch für die Zeit von Kaiser Wilhelm Zwo - selbst Vorurteile sollten etwas zeitgemäßere Gründe haben. Heutzutage ist man als Akademiker nicht automatisch privilegiert, man muß kompetent und leistungsfähig sein. Ein Schmiß ist kein "VIP-Abzeichen", wir verlassen uns lieber auf unsere Leistung.  |