"Corps" - was ist das eigentlich ?  

RHKLWAPP0204 Die Corps sind die ältesten aller heute existierenden Studentenverbindungen, geboren aus dem Geist der europäischen Aufklärung. Genau diesen Geist haben sie bewahrt bis heute, ungeachtet aller zeitweiligen Überlagerungen durch irgendwelchen "Zeitgeist", ungeachtet auch aller lächerlichen, oft häßlichen Übertünchungen durch zeitkonformes Aussehen und Auftreten. 

...  demokratisch ?

Die Corps waren von Anfang an ein Hort der Demokratie: Wenn bei uns im Convent abgestimmt wird, geschieht das offen und einzeln, dem Alter nach - der Jüngste gibt seine Stimme zuerst ab, der Älteste zuletzt. Im Convent lernt man die argumentative Auseinandersetzung mit Stil, lernt mit Respekt eine konträre Meinung anzuhören, übt die Fairness im Wortgefecht.

...  nationalistisch ?      ... intolerant ?

Die Corps haben immer das Toleranzprinzip gepflegt, nicht nach Rasse, Konfession, Nationalität und politischer Meinung ihrer Corpsbrüder gefragt, solange die tolerant, offen und zuverlässig waren:

Karl Marx war Corpsstudent und Otto v. Bismarck,

Liebknecht und Erzbischof v. Ketteler,

Heinrich Heine und Gottlieb Daimler.

...  ideologische Ziele ?

Diese Verbindungen,  die man in den deutschsprachigen Ländern auf gut französisch "corps", in Osteuropa "fraternitas" nennt, haben seit 200 Jahren jeden Wandel in Stil und Politik überlebt, weil sie keiner Ideologie huldigen und keine politischen oder religiösen Ziele verfolgen, sondern nur eine bestimmte menschliche Grundhaltung fordern und pflegen:

  Gegenseitige Offfenheit,

Respekt vor der Meinung des Anderen

Fürsorgliches Einstehen füreinander

Einstehen für eigene Freiheit und Rechte wie für die des Anderen

Absolute Zuverlässigkeit des gegebenen Wortes

Die deutsche Sprache braucht für die Beschreibung dieser Haltung einen solchen Katalog  - sie hat leider kein Wort für “gentlemanlike”.

Das ist der ganze Kern dieser “unzeitgemäßen “ Institutionen

Daneben gibt es dort noch Bräuche, die heute nicht für jeden "in" sind:

Wir fechten. Das ist für uns die "Eintrittskarte" - es fordert Mut, Risikobereitschaft und anfangs auch Selbstüberwindung. Sind das Charakterfehler ?

Wir tragen ein Band, als Symbol der Zusammengehörigkeit. Na und ?

Daß Trinken zum Corpsstudententum gehört, ist ein Irrtum - wir trinken nicht mehr als nichtkorporierte Studenten. Und wir mögen keine "Saufköppe", denn wir erwarten Leistungsbereitschaft im Studium und im Beruf. Und genau  das fällt bei uns unter das Stichwort:

Fürsorgliches Einstehen füreinander :

Wir wollen, daß jeder von uns eine kompetente Persönlichkeit wird.

Wir helfen einander im und nach dem Studium, und die Fachleute unter den Älteren unterstützen die Jüngeren mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung.

Aus dieser gegenseitigen Offenheit, der Toleranz und dem fürsorglichen Einstehen füreinander aber erwächst ganz naturgemäß das, was für uns das schönste am Corps ist:

Die dauerhafte Freundschaft

 

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